Abstrakte Pigmentstroemung, die sich in Baender auftrennt - Beitragsbild HPLC

Wie eine HPLC funktioniert

Beitrag von: Acid Berlin

4 min Lesedauer

Die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie ist das Arbeitspferd der analytischen Chemie. Sie steht in praktisch jedem Labor, das mit organischen Stoffen zu tun hat — in der Pharmaindustrie, in der Lebensmittelanalytik, in der Umweltüberwachung, in der Forschung.

Ihr Prinzip ist überraschend anschaulich, und wer es einmal verstanden hat, kann mit einem Chromatogramm etwas anfangen.

In diesem Artikel erfährst du:

  • was mobile und stationäre Phase sind und warum sie zusammen trennen
  • wie ein Chromatogramm entsteht und was ein Peak bedeutet
  • was die Retentionszeit ist
  • welche Detektoren es gibt und was sie jeweils sehen

Das Grundprinzip: ein Wettrennen mit Hindernissen

Stell dir eine lange Röhre vor, dicht gepackt mit winzigen Kügelchen. Durch diese Röhre wird ständig eine Flüssigkeit gepumpt. Jetzt gibst du am Anfang einen Tropfen deiner Probe hinein.

Die Probe wird von der Flüssigkeit mitgerissen. Aber ihre Bestandteile verhalten sich unterschiedlich: Manche Moleküle haften gern an den Kügelchen und bleiben immer wieder kurz hängen. Andere haben wenig Interesse daran und schwimmen zügig durch.

Das Ergebnis ist eine Trennung. Was ursprünglich als Gemisch hineinging, kommt am anderen Ende nacheinander heraus — die schnellen Moleküle zuerst, die langsamen später.

Die Fachbegriffe dafür:

  • Die stationäre Phase ist das Material in der Röhre, also die Kügelchen. Sie steht still.
  • Die mobile Phase ist die Flüssigkeit, die hindurchgepumpt wird. Sie bewegt sich.
  • Die Röhre selbst heißt Trennsäule.

Das „HP" in HPLC stand ursprünglich für den hohen Druck, mit dem gepumpt wird; heute liest man es meist als High Performance. Die Säulen sind so dicht gepackt, dass die Flüssigkeit sonst kaum hindurchkäme — moderne Anlagen arbeiten mit mehreren hundert bar.

Warum manche Moleküle länger brauchen

Ob ein Molekül an der stationären Phase haftet, hängt von seinen chemischen Eigenschaften ab — vor allem davon, wie polar es ist.

Im häufigsten Fall, der Umkehrphasen-Chromatographie, ist die stationäre Phase unpolar und die mobile Phase polar, meist ein Wasser-Lösungsmittel-Gemisch. Dann gilt eine einfache Regel: Unpolare Moleküle haften stärker und kommen später. Polare Moleküle fühlen sich in der wässrigen mobilen Phase wohl und eilen voraus.

Deshalb verhalten sich sehr kleine, sehr polare Substanzen in solchen Systemen eigenwillig: Sie werden kaum zurückgehalten und laufen fast mit der Lösungsmittelfront durch. Für solche Fälle gibt es andere Säulenmaterialien.

Die Trennung lässt sich zusätzlich steuern, indem man die Zusammensetzung der mobilen Phase während des Laufs verändert — man beginnt etwa wässrig und wird allmählich organischer. Das nennt man Gradientenelution und ist bei komplexen Proben der Normalfall.

Der Detektor: sichtbar machen, was ankommt

Am Ende der Säule sitzt ein Detektor. Er registriert, wann etwas vorbeikommt, und wie viel.

Der verbreitetste Typ ist der UV-Detektor. Er schickt ultraviolettes Licht durch die vorbeifließende Flüssigkeit und misst, wie viel davon geschluckt wird. Sichtbar werden dabei nur Verbindungen, die im gewählten Wellenlängenbereich überhaupt absorbieren — für andere Stoffgruppen gibt es deshalb eigene Detektortypen. Moleküle mit ausgedehnten Doppelbindungssystemen — etwa aromatischen Ringen — absorbieren UV-Licht kräftig und sind damit gut zu sehen.

Eine Weiterentwicklung ist der Diodenarray-Detektor, der nicht nur eine Wellenlänge misst, sondern gleich ein ganzes Spektrum. Damit bekommt man zu jedem Peak zusätzlich eine Art Farbfingerabdruck.

Daneben gibt es weitere Detektortypen, etwa für Brechungsindex oder Fluoreszenz — und natürlich das Massenspektrometer, über das ein eigener Beitrag informiert.

Das Chromatogramm lesen

Das Ergebnis einer HPLC-Messung ist eine Kurve: das Chromatogramm.

  • Nach rechts läuft die Zeit, meist in Minuten.
  • Nach oben zeigt die Stärke des Detektorsignals.

Solange nichts ankommt, verläuft die Linie flach — das ist die Basislinie. Erreicht ein Bestandteil den Detektor, steigt das Signal an, erreicht ein Maximum und fällt wieder ab. Diese Erhebung heißt Peak.

Zwei Angaben liest man daran ab:

Die Retentionszeit ist die Zeit vom Einspritzen bis zum Peakmaximum. Sie ist für eine bestimmte Substanz unter gleichbleibenden Bedingungen charakteristisch — gleiche Säule, gleiche mobile Phase, gleiche Temperatur, gleiche Flussrate. Vergleicht man die Retentionszeit einer unbekannten Probe mit der eines bekannten Referenzmaterials, ergibt sich daraus ein Hinweis auf die Identität.

Die Peakfläche — also der Flächeninhalt unter der Kurve — hängt mit der Menge zusammen. Je mehr von einem Stoff vorbeikommt, desto größer die Fläche.

Von der Fläche zur Menge

Damit aus einer Peakfläche eine Mengenangabe wird, braucht es einen Vergleichsmaßstab. Der Grund: Verschiedene Stoffe erzeugen beim selben Detektor unterschiedlich starke Signale. Ein Molekül, das UV-Licht kräftig absorbiert, liefert bei gleicher Menge einen viel größeren Peak als eines, das kaum absorbiert.

Deshalb misst man Kalibrierstandards — Lösungen desselben Stoffs in bekannter Konzentration. Trägt man deren Peakflächen gegen die Konzentration auf, ergibt sich eine Kalibriergerade. Die Fläche der unbekannten Probe wird dann an dieser Geraden abgelesen.

Für die Genauigkeit arbeitet man häufig zusätzlich mit einem internen Standard: eine bekannte Substanz, die jeder Probe in gleicher Menge zugesetzt wird. Schwankungen beim Einspritzen oder bei der Probenvorbereitung wirken sich dann auf Analyt und Standard gleichermaßen aus und kürzen sich heraus.

Was die Methode ausmacht

Ein HPLC-Ergebnis hängt nicht am Gerät, sondern an der Methode. Zu ihr gehören unter anderem:

  • Säulenmaterial, Länge und Partikelgröße
  • Zusammensetzung der mobilen Phase und ihr Verlauf über die Zeit
  • Flussrate und Säulentemperatur
  • Detektortyp und Messwellenlänge
  • Probenvorbereitung und Extraktion
  • Kalibrierung und Auswerteregeln

Deshalb steht in Analysedokumenten immer die Methode dabei — sie ist der Bauplan, ohne den ein Chromatogramm nicht reproduzierbar wäre. Der internationale Leitfaden ICH Q2(R2) beschreibt, wie solche Verfahren validiert werden.

Kurz zusammengefasst

Die HPLC trennt eine gelöste Probe, indem sie sie unter hohem Druck durch eine gepackte Säule schickt. Bestandteile, die stärker am Säulenmaterial haften, brauchen länger und kommen später am Detektor an.

Das Ergebnis ist ein Chromatogramm: Die Retentionszeit sagt etwas über die Identität, die Peakfläche über die Menge. Beides wird belastbar, wenn Methode, Kalibrierung und Referenzmaterial zueinander passen.

Quellen

Stand: 19.08.2026. Wir prüfen diesen Beitrag regelmäßig und zusätzlich, wenn neue fachliche Erkenntnisse vorliegen.